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Stand: 20.11.2015

Pressemitteilung

Test auf Lese-, Rechtschreib- oder Rechenstörung des Caritas-Zentrums Kaiserslautern

In Mathe ist Lukas (Name geändert) fit, das Lesen funktioniert gut, nur mit der Rechtschreibung hapert es etwas. „Es fällt ihm schwer, sich die richtige Schreibweise zu merken. Da wo ein V hingehört, steht bei ihm ein F.  Oft verwechselt er die Buchstaben d und b.  Das ist zwar mit der Umstellung von der Druck- auf die Schreibschrift besser geworden, aber es gibt noch genügend Probleme“, sagt die Mutter des Achtjährigen. „Deshalb bin ich froh, dass sich hier die Möglichkeit eines Tests bietet. Sollte bei Lukas tatsächlich eine Rechtschreibschwäche vorliegen, wissen wir, woran wir sind und bekommen etwas an die Hand, wie wir unseren Sohn ganz gezielt fördern können.“

Silja Plum-Schmidt Silja Plum-Schmidt Friederike Jung

Eine Einstellung, die Silja Plum-Schmidt begrüßt. Sie ist Psychologin bei der Erziehungsberatung des Caritas-Zentrums Kaiserslautern und führt den Test durch. „Je früher Defizite abgeklärt werden, desto besser ist es. Denn es gibt gute Methoden, den Kindern zu helfen, möglichst noch bevor sie in die dritte Klasse kommen. Denn ab da werden die Leistungen in Noten bewertet und die Kinder können untereinander vergleichen.“

Das setze weniger gute Schüler und Schülerinnen unter Druck, der sie belastet und an ihrem Selbstwertgefühl nagt. „Wem es an Erfolgserlebnissen mangelt, läuft Gefahr, irgendwann zum Schulverweigerer zu werden. Und das gilt es, zu verhindern.“ Im Schnitt seien pro Klasse etwa fünf Prozent der Kinder betroffen, entweder von Legasthenie (Lese- und Rechtschreibschwäche) oder Dyskalkulie (Rechenschwäche). „Sie fallen meist am Ende des ersten Schuljahrs auf. Im Fall einer Dyskakulie haben sie Schwierigkeiten, sich Zahlen als Menge vorzustellen.“

Drei Jungs und ein Mädchen, allesamt Zweitklässler, sind an diesem Tag zum Test gekommen. Etwas mulmig ist ihnen schon, auch wenn sie versuchen, es sich nicht anmerken zu lassen. „Anhand von speziellen Arbeitsblättern  fragen wir das Wissen ab, das bis Ende des zweiten Schuljahres vermittelt wird“, so die Psychologin. Dazu gehören unter anderem ein Diktat und Rechtschreibregeln, in Mathe gerade und ungerade Zahlen sowie die Grundrechenarten. Nach  90 Minuten soll sich ein entsprechendes Bild über den Leistungsstand der Kinder bieten. „Der Test ist als Screening zu sehen, das Aufschluss gibt, ob das Resultat im bedenklichen Bereich liegt und  der Verdacht einer Legasthenie oder Dyskalkulie begründet ist. Um ganz sicher zu gehen, ist in manchen Fällen zusätzlich ein Intelligenztest nötig.“ Dieser findet nicht in der Gruppe, sondern zu einem gesonderten Termin als Einzeltest statt und soll Aufschluss geben, ob eine Teilleistungsstörung vorliegt. „Die ist dann gegeben, wenn die Intelligenz eines Kindes wesentlich höher ist als seine Fähigkeiten.“

Doch wo auch immer die Ursache liegt, für die betroffenen Kinder gibt es Fördermöglichkeiten, die auch vom Caritas-Zentrum angeboten werden. Noch vor den Sommerferien wird Silja Plum-Schmidt den Eltern in einem persönlichen Gespräch das Testergebnis ihres Kindes mitteilen. „Besteht in einem Bereich eine Schwäche, können die Eltern es der Schule mitteilen. Die Kinder erfahren dann in der Regel etwas Erleichterung im Unterricht. Das bedeutet für sie eine wichtige seelische Entlastung.“

„Natürlich bin ich gespannt, wie mein Sohn abgeschnitten hat“, sagt Lukas Mutter. „Wenn es sich tatsächlich um eine Rechtschreibschwäche handelt, haben wir etwas Konkretes in der Hand und können es mit der Schule kommunizieren. Das ist schon mal viel wert.“ Ansonsten wird die Familie so weiter machen wie bisher und den Achtjährigen unterstützen, um ihm in puncto Rechtschreibung auf die Sprünge zu helfen. „Wir trainieren zuhause regelmäßig das Schreiben, machen Diktate und Übungen oder spielen Scrabble. Es ist uns wichtig, offen mit dem Thema umzugehen, machen aber Lukas keinen Stress oder Druck. Er selbst leidet nicht unter seinem Schreibproblem und das ist gut so. Denn ihm soll das Lernen ja nicht verleidet werden.“

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