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Stand: 20.11.2015

Pressemitteilung

Shoppen ohne Geld

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Bei der ersten Tauschparty im Mehrgenerationenhaus Kaiserslautern herrschte ein munteres Treiben rund um den Besitzerwechsel, samt Imbiss und geselligem Plaudern. Auf den Tischen reihen sich Jeans, T-Shirts und Pullover neben Taschenrechnern, Schnorchel, einer Tischlampe, Handtaschen und DVDs. Das Angebot ist so vielfältig wie die Teilnehmer der Tauschparty. Alle Dinge teilen ein Schicksal: Sie sind überflüssig geworden oder wurden ausrangiert, nachdem ihre Besitzer die Geschmacksrichtung gewechselt haben.   

Astrid möchte sich gern von einer Espressokanne trennen. Ein ungeliebtes Hochzeitsgeschenk und „nur einmal benutzt.“  Das fast neue Stück kommt Viktoria wie gerufen. Dafür hat sie einen Pulli und einen Schal, mit denen Astrid liebäugelt. Prompt steht der Deal und macht beide Frauen glücklich. „Wobei nicht eins zu eins getauscht werden muss, das kann auch kreuz und quer geschehen“, erklärt Ingrid Klein. Sie engagiert sich ehrenamtlich im Mehrgenerationenhaus (MGH) und gab den Impuls zur Tauschparty. „Fast jeder hat doch Dinge, die nicht mehr benötigt werden, aber zum Wegwerfen zu schade sind. Wenn sie trotzdem im Müll landen, tut’s mir in der Seele weh. Denn es gibt genügend Leute, die sich darüber freuen würden.“ Das weiß sie aus eigener Erfahrung. „Ich habe früher in einer kirchlichen Kleiderkammer mitgearbeitet. Die gibt es leider nicht mehr. Dabei war der Bedarf groß, gerade bei Kinderkleidung. Denn die Kids wachsen doch ruckzuck aus den Sachen heraus. Und ich selbst habe schon einige tolle Stücke vom Sperrmüll gerettet, die noch tiptop in Ordnung waren.“

Die Tauschaktion will sich deshalb gegen Verschwendung und unüberlegten Konsum wenden. Und verdeutlichen, dass alles seinen Wert hat. Eine Idee, die bei Elisabeth Schmutzler, hauptamtliche Mitarbeiterin im MGH, auf offene Ohren gestoßen ist. „Sie passt zur Philosophie des Hauses. Das Prinzip des Gebens und Nehmens ist eine ideale Ergänzung zu unserem Tauschring und gleichzeitig ein Beitrag in puncto Nachhaltigkeit.“ Das Konzept ist denkbar einfach. Jeder bringt, was er nicht mehr braucht – maximal eine Tasche voll – und nimmt mit, was ihm gefällt. Dass es dabei fair zugeht, setzen die Organisatorinnen voraus. Der Handel erfolgt auf Vertrauensbasis. Glaubt jemand, sich nicht entsprechend revanchieren zu können, steht es ihm frei, etwas zu spenden. Dafür steht eigens eine Kasse bereit. „Falls am Schluss Dinge übrig bleiben, regen wir an, sie einem Sozialkaufhaus zu übergeben. Dort erfüllen sie ebenfalls einen guten und sinnvollen Zweck“, sagt Schmutzler.

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Mittlerweile wird getauscht, was das Zeug hält, mit viel Spaß und Gelächter. „Ich habe die Gelegenheit genutzt, meinen Kleiderschrank etwas zu lichten“, sagt Alex und zeigt auf den Stapel Klamotten, alle noch modisch und gut erhalten. Daneben auch ein Kinderrucksack ihrer Tochter Laura, auf dem sich ein Tiermuster tummelt. „Für den bin ich jetzt zu groß“, meint die Zehnjährige, während sie rätselt, was es mit dem lederummantelten Flachmann auf sich hat. Doch der ist schnell vergessen, als sie ein giftgrünes Laserschwert unter den Tauschobjekten von Petra Neumahr entdeckt. Die Leiterin des Mehrgenerationenhauses ist ebenfalls mit von der Partie und bereits bei Alex fündig geworden. „Ein rosa Top, ein schwarzer Pulli und eine bestickte Jeans, die wie angegossen sitzt“, freut sie sich über ihre Ausbeute. Im Gegenzug wird Laura stolze Besitzerin des Laserschwerts und einer Packung Badesalz für Prinzessinnen. Schon nach einer Stunde des regen Hin und Her sind alle mehr als zufrieden. Sogar die Herrenanzüge, die eine Frau mitgebracht hat, stoßen trotz des Mangels an männlichen Tauschpartnern auf Interesse.

Zu einer Pause zwischendrin lädt der reich gedeckte Tisch ein. Hier haben die beiden Initiatorinnen mit Kuchen, Obst und Fingerfood für das leibliche Wohl gesorgt. Dann heißt es, plauschen statt tauschen. „Dabei können neue Kontakte geknüpft werden. Denn die Tauschparty soll auch gesellig sein und Spaß machen“, spricht Petra Neumahr einen weiteren Nebeneffekt an und stellt eine Fortsetzung in Aussicht. „Bis dahin hat sich die Aktion vielleicht weiter herumgesprochen, denn wir würden gern noch mehr Teilnehmer begrüßen.“

Herausgegeben vom Caritasverband für die Diözese Speyer
Text und Bild: Friederike Jung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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