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Stand: 20.11.2015

Pressemitteilung

Rüstzeug für ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit

Fortbildung für Ehrenamtliche KLEngagement für Flüchtlinge ist nicht immer einfach. Das weiß Caritas-Mitarbeiterin Ulrike Ebert-Wenski (zweite von links) und hat die Schulungsreihe mitorganisiert, an der unter anderem die ehrenamtlichen Mitarbeiter (von links) Doris Oberfell, Markus Kurtz und Edith Meifert teilgenommen haben. Caritas/Jung

Engagement für Flüchtlinge ist nicht immer einfach und unproblematisch. Daher hat  das Caritas-Zentrum Kaiserslautern am 31. August eine Schulungsreihe für Ehrenamtliche gestartet, die ihnen Handlungssicherheit in der Flüchtlingsbegleitung geben soll. In mehreren Modulen zu unterschiedlichen Themen können sich Haupt- und Ehrenamtliche fortbilden und mehr Sicherheit für ihre vielfältigen Aufgaben gewinnen. Die nächste Infoveranstaltung ist am Mittwoch, 7. September, zum Thema „Verbraucherschutz für Flüchtlinge“.

 

„Stolpersteine“ in der Flüchtlingsbegleitung
„Das Engagement in der Flüchtlingshilfe ist groß, aber nicht immer einfach. Angefangen beim richtigen Verständnis für fremde Kulturen, über das Verfahrensrecht beim Asylverfahren und dem Verbraucherschutz für Flüchtlinge gibt es viele Stolpersteine. Diese Aspekte greifen unsere Seminare auf “, sagt Ulrike Ebert-Wenski. Sie ist beim Caritas-Zentrum Kaiserslautern zuständig für das Projekt BIK (Betreuung, Information und Kontaktstelle für Flüchtlinge und Ehrenamtliche).  Das Café International weiß um die Probleme auf beiden Seiten: „Ein wichtiges Thema ist auch die Traumatisierung vieler Flüchtlinge. Doch woran erkennt das ein Laie und wie verhält er sich richtig? Diese Fragen brennen den Helfern unter den Nägeln.“

Flüchtlinge haben Leid und Gewalt erlebt
Auch Doris Oberfell geht es so. Seit Anfang 2015 kümmert sie sich im westpfälzischen Mehlbach um Flüchtlinge. „Das Leid der Menschen ist groß. Sie wurden ausgebombt, haben Gewalt erfahren oder Angehörige verloren. So wie eine syrische Frau, deren Baby auf der Flucht von einer Welle über Bord gespült wurde. Ich möchte ihr gern helfen, weiß aber nicht wie.“ Antworten darauf erhoffte sie sich von Dr. Alexander Jatzko, Chefarzt der Klinik für Psychosomatik am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern und Trauma-Spezialist, der im Pfarrsaal St. Martin die Seminarreihe eröffnete.

Wie Trauma entstehen
„Um zu verstehen, was es mit einem Trauma auf sicht hat, müssen wir einen Blick auf das Gehirn und seine Zweiteilung werfen“, eröffnete er seinen Vortrag. „Die Amygdala ist das Angst- und Aggressionszentrum. Ihre Sprache ist das Gefühl. Im Unterschied zur Amygdala laufen im Großhirn die Prozesse bewusst ab. Beide Bereiche werden durch die Schaltzentrale miteinander verbunden.“ Das ermögliche es dem Großhirn, Impulse der Amygdala zu interpretieren, körperliche und emotionale Reaktionen zu steuern. „In einer Extremsituation ist die Reizüberflutung jedoch so groß, dass die Schaltzentrale überfordert ist und keine Verknüpfung zum Großhirn herstellt. Damit ist die bewusste Verarbeitung der Sinneseindrücke blockiert und die Grundlage für ein Trauma geschaffen.“

 Die Todesangst, die schlimmen Erlebnisse, Bilder und Szenen tragen die Betroffenen mit sich, ohne sie bewältigen zu können. Die Symptome eines Traumas sind vielfältig. Sie können sich in Reizbarkeit, Wutausbrüchen, Konzentrations- und Schlafstörungen, übergroßer Wachsamkeit, Angst, extremen Schreckreaktionen und totalem Rückzug äußern. „Manche plagen Schuldgefühle, als einziger aus der Familie überlebt zu haben. Andere leiden unter Flashbacks, das sind Rückblenden, die den Betroffen das traumatische Ereignis immer wieder durchleben lassen, so intensiv als würde es gerade passieren. Auslöser kann irgendetwas sein, was mit der damaligen Situation abgespeichert wurde. Geräusche, Gerüche, eine Stimme, ein Körpergefühl“, so der Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosomatische Medizin.

Wie können Ehrenamtliche helfen?
 „Und wie kann ich in einem solchen Moment helfen?“, wollte eine Seminarteilnehmerin wissen. „Am besten ist es, den Betroffenen abzulenken. Mit einer Frage oder einer Rechenaufgabe. Hauptsache, das Großhirn wird nicht heruntergefahren, sondern bleibt aktiv und behält die Kontrolle. Sonst gewinnen die Gefühlszentren Oberhand und machen, was sie wollen. Das gilt es zu verhindern.“ Darauf zielen auch die Therapien ab: „Ein Trauma kann nicht ausgeräumt werden. Aber Betroffene können lernen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln.“

Die aufschlussreichen Erklärungen verfolgten die rund 30 Teilnehmer sehr interessiert. „Ich möchte mich in der Flüchtlingshilfe engagieren, will mich aber vorher informieren, um eine Basis zu haben“, sagte Markus Kurtz, Student an der TU. Edith Meifert aus Kaiserslautern hat 50 Jahre in Damaskus gelebt. Ein Vorteil, der sie als Dolmetscherin ebenso gefragt macht wie als Kennerin der syrischen Kultur und Mentalität: „Aber um effektiv helfen zu können, muss man sich mit vielen Themen vertraut machen. Ich bin froh, hier die Gelegenheit zu bekommen.“

Caritas ist mit der Resonanz zufrieden
Caritas-Mitarbeiterin Ulrike Ebert-Wenski zeigt sich mit der Resonanz zufrieden. „Wir haben für alle vier Seminare etwa 30 Anmeldungen. Die Hintergründe und Motivationen der Teilnehmer sind unterschiedlich. Manche sind ganz neu in der Flüchtlingshilfe, andere möchten auf dem Laufenden bleiben, da sich die Regelungen ständig ändern. Aber alle haben eins gemeinsam: Sie möchten etwas tun.“

Bildinfo:
Engagement für Flüchtlinge ist nicht immer einfach. Das weiß Caritas-Mitarbeiterin Ulrikre Ebert-Wenski (zweite von links) und hat die Schulungsreihe mitorganisiert, an der unter anderem die ehrenamtlichen Mitarbeiter (von
links) Doris Oberfell,  Markus Kurtz und Edith Meifert teilgenommen haben. 


Die Fortbildungsreihe
Die Fortbildungsreihe für Ehrenamtliche wird am Mittwoch, 7. September, 14.30 bis 17 Uhr, zum Thema „Verbraucherschutz für Flüchtlinge“ fortgesetzt. „Fremde Kulturen verstehen“ ist die Veranstaltung am Mittwoch, 21. September, 15 bis 18 Uhr. Mit dem Thema „Das Asylverfahren“ endet die Reihe am Mittwoch, 5. Oktober, 15 bis 17 Uhr.

Info und Anmeldung:
Caritas-Zentrum Kaiserslautern
Projekt BIK
Ulrike Ebert-Wenski
Engelsgasse 1
67657 Kaiserslautern
Telefon 0631 / 31120-231
E-Mail: ulrike.ebert-wenski@caritas-speyer.de
www.projekt-bik.de
www.caritas-zentrum-kaiserslautern.de

 

Herausgegeben vom Caritasverband für die Diözese Speyer
Text und Foto: Friederike Jung

 

 

 

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