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Stand: 20.11.2015

Pressemitteilung

„Migrationsberatung leistet gesellschaftlichen Beitrag“

Teilnehmer am Aktionstag MBEMigrations-Beratungsstellen in Stadt und Landkreis Kaiserslautern stellten Bundestagskandidat*innen ihre Arbeit vor. Friederike Jung / Caritasverband für die Diözese Speyer

An dem Aktionstag ging es darum, die gesellschaftliche Relevanz der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer für die Integration deutlich zu machen. Aber auch die Herausforderungen der Beratungstagarbeit stand im Mittelpunkt ebenso wie die Wünsche an die Politik.

"Die MBE richtet sich an erwachsene Zuwanderer ab 27 Jahren, die Bleiberecht haben und seit maximal drei Jahren hier sind. Jugendmigrationsdienste begleiten junge Zuwanderer im Alter von 12 bis 27 Jahren", führte Birgit Steinmann in das Thema ein. Sie ist Mitarbeiterin der Migrationsberatung des DRK Kreisverbands Kaiserslautern-Stadt und Leiterin der DRK Gemeinschaftsunterkunft, in deren Foyer die Runde tagte. Der größte Teil der Migranten komme aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, dem Irak und der Russischen Föderation.

"Wie kann man sich die Arbeit der Migrationsdienste vorstellen?", erkundigte sich Jana Braun Lambur (FDP). "Die Leute kommen mit allen Fragen. Mal geht es um das Jobcenter, mal um Elterngeld, ehrenamtliche Unterstützung oder die Frage, wo sie einen Deutschkurs belegen können", erklärte Heide Güldenfuß von der Migrationsberatung DRK Kaiserslautern-Land in Landstuhl. "Wenn nötig, stellen wir Kontakte zu anderen Stellen her und vermitteln an sie weiter."

Es sei wichtig, Ratsuchenden das Gefühl zu vermitteln, für sie da zu sein, sich Zeit für sie zu nehmen, betonte Nurcan Deniz, Mitarbeiterin in der MBE des Caritas-Zentrums Kaiserslautern. Auf Nachfrage von Thomas Lebkücher (Freie Wähler) zu den Schwerpunkten der Migrationsberatung  nannte die Mitarbeiterin als Hauptthemen: "Der Erwerb der deutschen Sprache, Bildung, Arbeit, Kinderbetreuung, aufenthaltsrechtliche Fragen und vor allem, wie es mit dem Bleiberecht und dem Familiennachzug aussieht.  Diese beiden Punkte beschäftigen die Menschen sehr."

Umso bedauerlicher sei es, dass der Kontakt zur Ausländerbehörde mehr als schwierig sei. "Darüber beklagt sich jeder zweite Kunde von uns, und auch wir selbst kennen das Problem.", sprach Deniz den Vertreterinnen der anderen MBE-Stellen aus dem Herzen. Seit Beginn der Corona-Pandemie habe die Behörde geschlossen. Man bekomme kaum telefonischen Kontakt und wenn, dann zu ständig wechselnden Bearbeitern, bestätigte Michael Kunte (Die Grünen), der an der TU Kaiserslautern tätig ist. "Das versetzt so manchen unserer ausländischen Mitarbeitenden, die einen befristeten Vertrag haben, in Panik."

Dass es trotz Corona-bedingter Einschränkungen auch anders gehe, zeige sich bei den Migrationsberatungsdiensten. "Uns ist es ja auch die gelungen, das Beratungsangebot aufrecht zu erhalten, per Mail, Telefon und falls unumgänglich auch persönlich", sagte Nurcan Deniz. Sie selbst habe mittlerweile drei Präsenztermine pro Tag. "So kann man am besten sehen, wie es den Leuten geht." Wer den Anspruch habe, einem hochwertigen Beratungsangebot nachzukommen, müsse in Krisen flexibel und kreativ sein, bestätigte Britta Behr vom Jugendmigrationsdienst (JMD) des Internationalen Bundes.

Das sei besonders wichtig, da sich die Klientenzahl der MBE nach wie vor auf einem hohen Niveau befindet. Zudem seien die Beratungsanforderungen in vielen Fällen komplexer geworden. "Denn jeder Fall ist anders und bedarf einer individuellen Unterstützung", sagte Heide Güldenfuß. Dazu komme, dass gesetzliche Vorgaben nicht dauerhaft gleich bleiben und man Änderungen stets im Blick haben müsse.

"Auch wenn manche es leider anders sehen, ist die Migration kein endlicher Prozess. Die Menschen brauchen also auch weiterhin Ihre Unterstützung. Was kann die Politik dazu beitragen?", wollte Thomas Lebkücher von den Mitarbeiterinnen der MBE und JMD wissen. Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten. "Dass das Bildungs- und Ausbildungssystem flexibler wird, damit auch Migranten eine Chance haben. Wir brauchen gute, passgenaue Systeme und das möglichst schnell", führte Britta Behr an.

Dem stimmte Matthias Mieves (SPD) von politischer Seite aus spontan zu. "Man muss mehr für die Ausbildung von Migranten tun und dafür, dass sie arbeiten dürfen. Das wäre nicht zuletzt auch ein stabilisierender Faktor für die Rente." Eine Vereinfachung des Familiennachzugs sowie einen Abbau des bürokratischen Aufwands wünschte sich Heide Güldenfuß. "Dann würde hier manches einfacher laufen." Das konnte Huri Ugur vom Akademischen Bildungszentrum Kaiserslautern nur bejahen. "Wir versuchen zu helfen, stoßen aber manchmal durch Vorgaben an Grenzen."

"Mir wäre es wichtig, dass man unserer Arbeit mit Wertschätzung begegnet und auch die der Ehrenamtlichen würdigt. Sie nehmen uns so manches ab", sagte Nurcan Deniz. "Wir brauchen die Unterstützung der Politik, auch in finanzieller Hinsicht. Damit unsere Arbeit weiterhin gelingen kann, dürfen keine Mittel gestrichen werden", war sie sich mit ihren Mitstreiterinnen einig.

Immerhin hätten im vergangenen Jahr die Fachdienste in Deutschland insgesamt etwas über 305 000 Beratungsfälle verzeichnet. Rechne man die 210 614 mitberatenen Familienangehörigen dazu, seien bundesweit knapp 600 000 Personen erreicht worden. Deshalb sei die Politik gefordert, die Migrationsberatung als systemrelevanten gesellschaftlichen Beitrag wahrzunehmen und entsprechend zu fördern, so der gemeinsame Appell.

Den nahmen die politischen Vertreter mit auf den Weg. Zusammen mit einem tieferen Einblick in die Arbeit der Migrationsdienste und Denkanstößen. "Das war eine sehr aufschlussreiche und informative Runde. Man merkt, dass Sie alle mit Elan und Herzblut bei der Arbeit sind", brachte es Matthias Mieves auf den Punkt.

Text und Foto: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer



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