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Stand: 20.11.2015

Pressemitteilung

„Es darf nicht sein, dass das das Wort ‚Gutmensch‘ verunglimpft wird“

Caritas- Kampagne mit Ulrike Ebert-Wenski

 "Sich selbst als Gutmensch zu bezeichnen, fällt schwer. Aber es darf nicht sein, dass dieses Wort verunglimpft wird, im rechtspopulistischen Lager als Kampfparole grassiert und Menschen, die sich für andere einsetzen als naiv und weltfremd abgestempelt werden." Deshalb freue sie sich, dass die Caritas mit ihrer Kampagne dagegen angeht und das wichtige Thema aufgreift. Weil sie dazu beitragen will, den missbrauchten Begriff zu drehen und seine eigentliche Bedeutung zurückzugewinnen.

Ulrike Ebert-Wenski hat ihren Arbeitsplatz im Caritas-Zentrum Kaiserslautern. Hier ist sie in der Suchtberatung tätig und seit einigen Monaten ausgebildete Mentorin für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie demonstriert gegen  Rechts, setzt sich für gelebte Demokratie ein. Auch als Organisatorin der interkulturellen Woche in Kaiserslautern  und Geschäftsführerin des Netzwerks Migration - Integration von Stadt und Kreis. Bei allem Engagement, sich selbst herauszustellen, liegt der 54-Jährigen nicht. 

Trotzdem zögerte sie nicht lange, als ihr im Sommer 2018 eine Mail auf den Tisch flattert, in der die Caritas Gesichter für die neue Kampagne sucht. Von der Leitung unterstützt und Kollegen ermutigt, bewirbt sie sich. "Weil ich es wichtig finde, für das zu stehen, was man tut." Und tatsächlich setzt sie sich bundesweit gegen 43 MitbewerberInnen durch und wird zusammen mit drei weiteren Kandidaten ausgewählt, der Kampagne ein Gesicht zu geben. Neben ihr sind noch Klaus Böhm, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter im Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus zu sehen sowie die Altenpflegerin Franziska Riederle und Surya Gentha Ahmad, lokaler Helfer von Caritas International.

Ulrike Ebert-Wenski im Caritas-Zentrum KaiserslauternIm Caritas-Zentrum Kaiserslautern arbeitet Ulrike Ebert-Wenski als Sozialarbeiterin. Friederike Jung / Caritasverband für die Diözese Speyer

Bis die Plakatmotive und Filme fertig waren, war viel zu tun. Ein Team der Werbeagentur Glow fing Ulrike Ebert-Wenski ein, wie sie leibt und lebt. Authentisch, natürlich, unverstellt. In Berlin, mittendrin auf einer Demonstration von "Fridays von Future". Als Synonym für das gesellschaftspolitische Eintreten der Sozialarbeiterin. Ein besonderer, aber auch anstrengender Tag, prallvoll mit Fotoaufnahmen und Dreharbeiten. "Als ich im Interview gefragt wurde, weshalb ich Engagement für wichtig halte, musste ich x-mal antworten. Denn entweder waren meine Sätze voller "Ähs" oder ich habe mich verhaspelt. Schließlich habe ich mich auf das Wesentliche fokussiert und gesagt: Weil wir sonst eine Zukunft bekommen, die wir nicht wollen." 

Deshalb liegt ihr auch die interkulturelle Woche am Herzen, die für Integration und Demokratie steht und sich gegen Ausgrenzung und Scheuklappendenken stemmt. Um sie bei diesem Projekt zu zeigen, ist das Filmteam im September nach Kaiserslautern gekommen und hat sie auf verschiedenen Veranstaltungen begleitet. Auch beim Internationalen Frauenfrühstück, das dem Austausch und Kennenlernen dient, wobei Kulinarisches aus aller Welt Verbindung schafft.

Nur zuzuschauen, wenn bedenkliche Strömungen aufkommen oder die Zukunft der Welt leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird, war noch nie ihr Ding. Ulrike Ebert-Wenski hat schon in ihrer Jugend die Stimme erhoben. "Die erste Demo, auf der ich war, richtete sich gegen das Giftgaslager im Viernheimer Wald", erinnert sich die 54-Jährige. Es folgten weitere - für den Frieden, gegen Atomkraft, Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit. Die Anschläge auf Asylantenheime in den 1990ern entsetzen und entrüsten sie. Zumal ihrer damaligen Clique auch türkisch-kurdische Freunde angehören.  "Wenn solches Unrecht geschieht, Menschen angegangen werden, kann ich nicht tatenlos zusehen. Da muss ich etwas tun. Das hat wahrscheinlich auch dazu geführt, dass ich Sozialarbeiterin geworden bin." Den Beruf erfüllt sie mit Herzblut und er erfüllt sie. 

Auf die Straße geht Ebert-Wenski noch immer. Bei den "Fridays for Future" mischt sie sich unter die Demonstranten und zeigt Flagge. "Ich finde es toll, dass die Jugend in Bewegung kommt und sich für eine Sache stark macht. Das war wirklich an der Zeit."

Und was sagt eigentlich die Familie zu ihrer Mitwirkung an der Caritas-Kampagne?  "Die steht dahinter", weiß Ulrike Ebert-Wenski. Das tut auch die Leitung des Caritas-Zentrums. "Als ich von der Kampagne erfahren habe, dachte ich spontan an Frau Ebert-Wenski. Sie ist auf so vielen Gebieten engagiert und verkörpert das Bild des Gutmenschen", bestätigt Nadine Ladach vom Leitungsteam.

Was für ein Standing sie hat, habe sich bei den Dreharbeiten auf dem Internationalen Frauenfrühstück gezeigt. "Da waren trotz Kamera viele Frauen bereit, etwas zu sagen. Das ist nicht selbstverständlich." Was ist das für ein Gefühl, dass das eigene Gesicht nun landauf und landab überall zu sehen ist?  "So ganz habe ich das noch nicht realisiert, die Kampagne ist ja gerade erst angelaufen. Bis jetzt wurde ich nur positiv darauf angesprochen. Aber sicher bleiben negative Kommentare nicht aus. Die Caritas ist ja im Internet auf vielen Kanälen präsent, da verbreitet sich alles schnell, und wir wissen ja, dass soziale Medien oft als Brandschleuniger wirken. In diesem Fall hoffentlich unter positivem Vorzeichen."

Denn es brauche Menschen, die Gutes für andere tun, ob haupt- oder ehrenamtlich. "Man müsste noch mehr davon haben, dann würde die Welt wahrscheinlich anders aussehen. Deshalb kann ich gut hinter der Kampagne stehen."

Infos: www.seigutmensch.de

Text und Fotos: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer / Kampagnen-Motive: Sebastian Pfütze (Agentur Glow)

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