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Stand: 20.11.2015

Pressemitteilung

“Die Beratung ist in Gefahr“

Eine Beraterin im Gespräch mit einer FrauIn der Arbeit der Suchtberatung geht es darum, Betroffene zu stärken sowie sie zu unterstützen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und ohne Suchtmittel zu meistern. KNA/Harald Oppitz

Corona ist der Grund für steigende Zahlen ratsuchender Menschen in der Suchtberatungsstelle des Caritas-Zentrums Kaiserslautern. "Kurzarbeit, drohender Arbeitsplatzverlust und finanzielle Probleme sowie soziale Isolation sorgen dafür, dass Menschen früher am Tag und häufiger zur Flasche greifen", beobachtet Suchtberaterin Ulrike Ebert-Wenski des Caritas-Zentrums. "Trockene Alkoholiker erleiden häufiger Rückfälle."

Diese Situation lenkt den Fokus noch mehr als sonst auf die schwierige finanzielle Lage der Suchtberatungsstellen im Land Rheinland-Pfalz und bundesweit. Mit einem Aktionstag "Notruf Suchtberatung" am 4. November wollten Träger der Suchtberatungsstellen auf diese Situation aufmerksam machen. Corona-bedingt konnten öffentliche Aktionen leider nicht stattfinden.

"Wenn Land und Kommunen nicht handeln und die Zuschüsse für die Allgemeine Suchtberatung aufstocken, ist das bestehende Beratungsnetz in Gefahr", sagt die Leiterin des Caritas-Zentrums, Beate Schmitt mit Blick auf den Aktionstag. "Wir dürfen Menschen mit einer Suchterkrankung und ihre Angehörigen nicht allein lassen. Eine umfassende Beratung vor Ort ist ein wichtiger Schritt in ein Leben ohne Suchtmittel."

"Im Caritas-Zentrum Kaiserslautern mit Außenstelle in Kirchheimbolanden haben 2019 vier Beraterinnen auf 2,64 Vollzeitstellen 369 Kunden beraten, 2018 waren es 353", zählt Suchtberaterin Ulrike Ebert-Wenski auf. "Die Nachfrage nach Beratung steigt durch die Pandemie seit dem Frühjahr an. Eine genaue Auswertung ist allerdings erst zum Jahresende möglich."

In Rheinland-Pfalz gibt es 43 Beratungsstellen für allgemeine Suchtberatung, die jährlich rund 17.000 suchtkranke Menschen und deren Angehörige beraten. 24 dieser Beratungsstellen sind in Trägerschaft der Caritas, fünf davon im Bistum Speyer.

"Im Koalitionsvertrag der amtierenden Landesregierung wurde vereinbart, dass es Ziel der Landespolitik sei, für eine Verbesserung und somit Absicherung der allgemeinen Suchtberatung zu sorgen. Passiert ist seitdem nichts - und wird es wohl in dieser Legislaturperiode auch nicht mehr", kritisiert Schmitt. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege fordere bereits seit Beginn der Legislaturperiode und entsprechend der Vereinbarung im Koalitionsvertrag eine bessere Finanzierung der Suchthilfe.

Die Zentrumsleiterin verweist auf das große finanzielle Engagement der Träger, die durchschnittlich 50 bis 60 Prozent der Gesamtkosten einer Suchtberatungsstelle stemmen. "Obwohl wir seit Jahren auf die Unterfinanzierung der ambulanten Suchtberatung aufmerksam machen, sind Zuschüsse und Fördermittel von Land und Kommunen festgeschrieben", beklagt sie. "Zugleich steigen die Personalkosten, und neue Entwicklungen, etwa im Bereich Digitalisierung, erfordern mehr finanzielle Ressourcen. Und wir wissen, dass die Kirchensteuereinnahmen in den kommenden Jahren dramatisch zurückgehen werden."

Das derzeit übliche Finanzierungsmodell sieht so aus, dass das Land die Beratung in Kaiserslautern mit Kirchheimbolanden mit rund 39.000 Euro fördert. Weitere rund 92.000 Euro kommen von der Kommune. Dann gibt es noch Drittmittel in Höhe von rund 9.000 Euro und die restlichen rund 90.000 Euro finanziert der Caritasverband als Eigenanteil aus Kirchensteuermitteln.

"Suchtberatung hilft Menschen bei der Bewältigung ihrer Sucht und reduziert die gesundheitlichen und sozialen Folgen des Konsums", sagt die Suchtberaterin. "Neben der Linderung des persönlichen Leids sind auch erhebliche volkswirtschaftliche Einsparpotentiale belegt. Auswirkungen wie psychische Erkrankungen, Pflegebedürftigkeit oder Wohnungslosigkeit können gemindert werden."

Die Forderung der Träger ist deshalb: "Suchtberatung braucht eine stabile, verlässliche und kostendeckende Finanzierung. Suchtberatung muss kommunale Pflichtleistung werden und es muss verbindliche Förderrichtlinien für alle Kommunen und Landkreise geben", so die Zentrumsleiterin Schmitt. 

 

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