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Stand: 20.11.2015

Pressemitteilung

Grenzen setzen, bevor der Akku leer ist

Kurs Selbstfürsorge

(5. Juli 2017, Kaiserslautern) Ohne ehrenamtliche Helfer wäre die Welt ein gutes Stück ärmer. Sie sind für andere da, bieten Unterstützung und ein offenes Ohr. Eine Arbeit, die sinnstiftend und befriedigend ist, aber auch an die Grenzen der Belastbarkeit führen kann. Um dem vorzubeugen und eine gesunde Balance zu erhalten, hatte das Caritas-Zentrum Kaiserslautern zu der Informationsveranstaltung "Selbstfürsorge - Nähe und Distanz im Ehrenamt"ins Mehrgenerationenhaus eingeladen.

Viele, die gekommen waren, ,  engagieren sich in der Flüchtlingshilfe, im Frauenhaus, in der Seniorenbetreuung oder im Mehrgenerationenhaus. Alle haben eins gemeinsam: Sie möchten ihr Bestes geben. Das hat oftmals seinen Preis. "Wir hören immer wieder, dass Ehrenamtliche auf dem Zahnfleisch gehen", eröffnete Ulrike Ebert-Wenski das Treffen. Sie ist beim Caritas-Zentrum Kaiserslautern, für das Projekt BIK (Betreuung, Information und Kontaktstelle für Flüchtlinge und Ehrenamtliche) zuständig.  "Weil es ihnen schwer fällt, nein zu sagen und sie immer mehr Aufgaben übernehmen. Doch irgendwann ist der Akku leer. Deshalb möchten wir Ihnen aufzeigen, wie Sie auf sich achten und für sich sorgen können."

Das veranschaulichte ein Videoclip mit dem Titel "Brenne für deine Arbeit, ohne zu verbrennen", in dem der Oftersheimer Diplom-Psychologe und Psychotherapeut Dr. Stefan Junker auf unterhaltsame Weise Grundlagen der Selbstfürsorge vermittelte. Hauptzielgruppe des Films sind Menschen, die in erster Linie mit hoch belasteten Personen zu tun haben.

Umso wichtiger sei es, dass Helfende sich selbst nicht aus dem Blick verlieren, so der Experte. "Sie müssen zuerst an sich denken, nur dann können sie wirklich für andere da sein. Dazu gehört es, Grenzen zu setzen und zu überlegen, welchen Schuh man sich anzieht und welchen nicht. Wenn die eigenen Ansprüche zu hoch sind und die Erwartungen anderer noch hinzukommen, baut sich Druck auf."  Dann drohe Überforderung, die sich in körperlichen Symptomen wie Magenschmerzen, Schlafstörungen, Kopfweh, und Unruhe äußert.

Wer viel mit schwer belasteten Personen zu tun habe, laufe Gefahr, dass die Symptome auf die Helfer überschwappen. In dem Falle handele es sich um eine sekundäre Traumatisierung. "Um dem vorzubeugen, sollten Sie sich belastenden Erzählungen nicht zu lange aussetzen. Bleiben Sie beim Gespräch in Bewegung, damit Sie nicht ebenfalls in Schockstarre verfallen und brechen Sie ab, wenn es Ihnen zuviel wird", rät der Psychologe. Auch wenn die Helferrolle eine befriedigende sei, solle niemand sein Selbstwertgefühl allein aus ihr ziehen. "Sonst gerät es schnell ins Wanken, falls was schief geht. Achten Sie darauf, dass Sie weiterhin Bindungen pflegen, den Kontakt zu Freunden, Bekannten und der Familie halten. Nehmen Sie sich Zeit für Dinge, die Ihnen Freude machen. Sie dienen dem Lustgewinn und der Unlustvermeidung." Vor allem sollten Ehrenamtliche nur konkrete und realistische Ziele anpeilen, die entspannt zu erreichen sind und nie Verantwortung übernehmen, die sich nicht mit den persönlichen Möglichkeiten deckt. "Das ist ebenso wichtig wie die strikte Trennung des Privatlebens von der Arbeit oder der ehrenamtlichen Tätigkeit."

Dass die Selbstfürsorge nicht immer leicht fällt und bei dem einen oder anderen zu kurz kommt, wurde in der anschließenden Gesprächsrunde deutlich.  "Richten Sie sich nach Ihren eigenen Bedürfnissen, stecken Sie klare Grenzen ab und verweisen Sie auch mal an andere Stellen weiter. Sie müssen sich nicht allein und nicht um alles kümmern", gab Caritas-Mitarbeiterin Edeltrud Litters von der Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung im Caritas-Zentrum den Teilnehmern mit auf den Weg.

 Text und Foto: Caritasverband für die Diözese Speyer / Friederike Jung

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