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Stand: 20.11.2015

Pressemitteilung

Ein letztes Mal an den Bodensee

Noch einmal an den Bodensee! Das war ein Herzenswunsch von Petra Mendel aus Altenglan. Doch wie sollte er sich erfüllen, wenn sich das Leben dem Ende zuneigt und die eigenen Möglichkeiten für eine Reise nicht gegeben sind? Umso größer war die Freude, dass ihr Traum dennoch Wirklichkeit werden konnte. Möglich gemacht hat es der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) – ein bundesweites Projekt, das 2017 auch in Rheinland-Pfalz gestartet ist.

Ein letztes Mal an den BodenseeStefanie Gluch vom Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst Westrich hat für Petra Mendel und deren Mann Ralf den Kontakt zum Wünschewagen hergestellt. Am ersten Maiwochenende ging es los Richtung Bodensee.

„Als ich davon gehört habe, ist mir sofort Frau Mendel eingefallen“, sagt Stefanie Gluch. Sie ist Fachkraft beim Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst Westrich und steht Petra Mendel seit deren lebensverkürzender Krebsdiagnose im Januar zur Seite. Sofort informierte sie sich über das Projekt, nahm Kontakt mit einer der beiden Koordinationsstellen in Worms und Ludwigshafen auf – und freute sich über eine Zusage. Allerdings habe sie die Patientin erst davon überzeugen müssen, das kostenlose Angebot anzunehmen. „Ich habe vor meiner Erkrankung in einem Seniorenheim als Betreuerin von demenzkranken Bewohnern gearbeitet. Von daher bin ich es eher gewöhnt Hilfe zu leisten, als selbst Hilfe anzunehmen“, erklärt Petra Mendel. „Deshalb wären mein Mann und ich am liebsten auf eigene Faust an den Bodensee gereist. Doch dann hätten wir den Zug nehmen müssen, aber das mehrfache Umsteigen ist mir in meinem gesundheitlichen Zustand einfach nicht möglich.“ Um sich nicht endgültig von ihrem Traum verabschieden zu müssen, gibt sie sich einen Ruck und stimmt dem Wünschewagen-Angebot zu. Jetzt freut sie sich umso mehr auf das, was vor ihr liegt: eine Woche am Bodensee mit ihrem Mann Ralf.

Der Urlaub hat mehrfache Bedeutung für das Paar. Es ist vielleicht ihr letzter gemeinsamer Urlaub. „Vor allem aber ist es unser erster seit wir vor acht Jahren geheiratet haben, und damit quasi unsere nachgeholte Hochzeitsreise.“

Die Vorfreude ist der 57-Jährigen ins Gesicht geschrieben. Das Gepäck steht schon längst im Flur und ist ebenso abreisefertig wie die Mendels selbst. Um zehn Uhr ist es soweit. Der Wünschewagen fährt vor. Er kommt aus Ludwigsburg, weil der rheinland-pfälzische Wagen an diesem Termin belegt ist und erst die Rückreise übernehmen kann. „Letzte Wünsche wagen“ steht auf dem ASB-Fahrzeug. Es ist dazu gedacht, Menschen an einen bestimmten Ort zu bringen, den sie privat nicht erreichen können, weil sie nachweislich auf besondere pflegerische oder medizinische Maßnahmen angewiesen sind. Allerdings müssen alle Ziele an einem Tag erreichbar sein.

An diesem ersten Maiwochenende wird der Mercedes Sprinter Petra Mendel zu ihrem Traumziel fahren. Dass er ein Krankentransportwagen mit notfallmedizinischer Grundausstattung, Blaulicht und Funk ist, offenbart sich nicht auf den ersten Blick. Sein Inneres wirkt einladend, mit leuchtend blauen Sitzen, Sternchenbettwäsche auf der Trage und kleinen Lichtern an der Decke, die wie ein Sternenhimmel leuchten. Selbst ein paar Blümchen und eine Kühlbox mit Getränken fehlen nicht. Die tiefen Panoramafenster geben eine großzügige Sicht auf die Landschaft frei, sind aber von außen her blickdicht. „Wir möchten es unseren Gästen so angenehm wie möglich machen“, sagt Astrid Stauer. Sie ist Rettungsassistentin und betreut die Fahrgäste gemeinsam mit Lars Wagner, der als geschulter ehrenamtlicher Helfer ebenfalls an Bord ist. „Denn wir fahren immer im Zweierteam.“

Früh am Morgen sind die beiden im baden-württembergischen Ludwigsburg gestartet. Wenn sie gut durchkommen, liegen noch einmal gut vier Stunden Fahrt vor ihnen. „Wenn es länger dauert, macht es auch nichts. Wir richten uns ganz nach unseren Passagieren und legen auch gerne Pausen ein“, sagt Astrid Sauer und bringt mit einem knappen Satz das Motto der Wünschewagen-Begleiter auf den Punkt: „Wir sind Wünsche-Erfüller und Zeit-Schenker.“ Mit ihrem Engagement möchten sie die Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis für den Fahrgast werden lassen. Dass ihnen das gelingen wird, bezweifelt Petra Mendel keinen Moment. Sie ist zuversichtlich und von einem Optimismus, den sie sich auch von ihrer schweren Krankheit nicht rauben lässt. „Ich will mich nicht hängen lassen, sondern aus der Zeit, die mir noch bleibt, das Beste machen. Und dazu gehört die Reise an den Bodensee, denn ich liebe das Wasser und diese Gegend. Dass ich beides noch einmal mit meinem Mann zusammen sehen und erleben kann, ist ein großes Geschenk.“ Und weil die Fahrt kostenlos ist, wird sie sich mit einer Spende erkenntlich zeigen.

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